Ich werde fliegen

Er ist so leise, so kurz, doch ich spüre ihn in meinem ganzen Körper. Der Aufprall des Ballons, den mein Kleiner gerade von seinem Hochbett geworfen hat.
Gänsehaut überkommt mich und ich spüre den dicken Kloß in meinem Hals.

Tap, tap, tap, tap. Kälte durchschüttelt mich, als ich den hellblauen mit Luft gefüllten Ball dort unten auf dem Boden liegen sehe. Er bewegt sich nur noch leicht, es scheint, als wäre er ein Mensch, der langsam erschöpft von dem Versuch zurück nach oben zu gelangen.
Ein Mensch wie ich.

Mein Leben war nie perfekt gewesen, doch das machte mir nicht zu schaffen, ich war glücklich, wurde jeden Tag glücklicher. Schließlich hatte ich ihn an meiner Seite gehabt. Ihn, in dessen Gegenwart ich mich unglaublich leicht und schwerelos fühlte.

Ihn, der immer zu mir stand und alles dafür gab, mich zum Lächeln zu bringen.

Ja ihn, der mir das wundervollste Geschenk der Welt gemacht hatte.

Doch jetzt war er weg. Weg. Für immer.
Diese beiden Worte verfolgen mich Tag und Nacht, immer weiter, ich kann ihnen nicht entkommen. Sie besetzen mich, sie zerfressen mich, sie – sie rauben mir den letzten Funken Hoffnung.

Verschwommen nehme ich wahr, wie zwei kleine Hände nach dem Menschen dort am Boden tasten. Mein kleines Geschenk greift vorsichtig nach ihm, um ihn anschließend hoch in die Luft zu werfen. Er fliegt und fliegt und jedes Mal, wenn er droht, auf den Boden zu fallen, wird er noch höher geworfen.
Und ich verstehe es.

Dauernd gibt es Rückschläge, die einen tief fallen lassen. Doch nur ein kleiner Stupser reicht und schon geht es wieder bergauf. Immer weiter, immer schneller. Und es hört nie auf. Ich werde fliegen, fliegen, hoch hinaus, weit in die Ferne, bis in die Freiheit. Niemand wird mir jemals diese Freude nehmen, wenn ich dort oben stehe und mich mit einem letzten Lächeln von dieser Zeit verabschiede.

Ida Borgwardt

Als der Ballon in den Himmel stieg

Die Äste raschelten, als sie sich ihren Weg durch Unterholz bahnte. Blätter schlugen ihr ins Gesicht. Sie versuchte sich mit ihren Händen so gut es ging einen Weg zu bahnen, doch die Natur setzte sich zur Wehr, sie sah es nicht vor, dass jemand genau durch diesen Weg wanderte. Eine Wurzel, welche sie nicht gesehen hatte, befand sich plötzlich vor ihrem Fuß, sie stolperte und schlug der Länge nach auf den Boden. „Verdammt!“, fluchte sie, noch während sie fiel. Der Aufprall presste ihr die Luft aus den Lungen. Sie spürte einen stechenden Schmerz in ihrem Arm. Sie drehte ihren Kopf zur Seite und blickte ihn an. Ein langer Kratzer zog sich quer über ihren Unterarm, ein neuer, noch ganz frisch. Anscheinend war sie bei ihrem Sturz an irgendeinem Dorn hängen geblieben. Langsam, ganz langsam, quoll Blut aus dem Schnitt. Sie betrachtete es, diese dunkelrote Flüssigkeit, mit der sie von Kopf bis Fuß durchpumpt wurde. „Saft des Lebens“- das hatte sie irgendwo so gelesen, doch wo genau, das fiel ihr im Moment nicht ein. Es faszinierte sie, sie wusste nicht warum, dies war etwas, das sie schon vor langer Zeit festgestellt hatte. Es hatte etwas so wunderbar Tröstliches an sich. Etwas so Bewegendes. Sie liebte Blut. Sie liebte es zu bluten. Ein Tropfen bildete sich, er schwoll an, dann kullerte er ihren Arm entlang, bis er den Boden erreichte. Er hinterließ eine rote Spur. So wunderschön rot. Rot war ihre Lieblingsfarbe. Es war die Farbe der Liebe und des Lebens, aber es war auch die Farbe des Schmerzes und der Gefahr. Doch Liebe, Leben, Schmerz, Gefahr, im Grunde waren dies Synonyme. Man konnte nicht eines ohne das andere haben. Zumindest nicht in ihrer Welt. Rot war die Farbe des Herzens und des Blutes. Ihr rotes Blut, das war der schönste Teil von ihr.

Konnte sie nicht für immer hier liegen bleiben? Der Boden war hart, doch das empfand sie nicht unbedingt als unangenehm. Hier war sie ungestört. Sie konnte einfach die Augen schließen, mit der Natur verschmelzen und alles vergessen. Friedlich einschlummern und davongleiten. Sie schloss die Augen. Wie sehr sie sich nach Frieden sehnte. Nicht in dem Sinne, dass keine Kriege mehr geführt würden, dazu würde es niemals kommen. Dafür war die Menschheit zu verkommen, zu verdorben, zu missraten. Nein, was sie brauchte, war innerer Frieden, dass ihre eigenen Kriege erloschen, dieses ständige Chaos aus Gefühlen, Leid und Schmerz. Dazu würde es aber von selbst auch nicht kommen. Vermutlich war sie auch verkommen, verdorben, missraten. Es gab viele Ansätze für den Grund von Leid. Sie hatte recherchiert. Es war eine Strafe von Gott, für die begangenen Sünden. Es war auf der Welt aufgrund des bevorstehenden Weltuntergangs, welcher die Menschen bestrafte. Es war eine Strafe für ein frevelhaftes Dasein im vorhergegangenen Leben. Diese religiösen Gedanken schossen ihr durch den Kopf. Religion, sie verhalf einem zur Glückseligkeit. Sie hatte sich auf die Religion gestürzt. Sie hatte die Glückseligkeit nicht gefunden. Sie würde sie niemals finden. Sie schlug die Augen auf. Die Gedanken, sie kamen wieder. Sie würden sie nicht in Ruhe lassen, wenn sie hier liegen blieb. Sie würde sich vermehren, sich anstauen, sie noch tiefer in den Abgrund reißen. Sie konnte nicht einfach davongleiten. Sie hatte etwas zu erledigen. Sie presste sich hoch, mit der Hand geriet sie in eine Brennnessel und sie begann tierisch zu jucken. Sie ignorierte es. Bald war all das hier vorbei. Sie ging weiter.

Was für eine Nacht. Der Mond stand klar am Himmel, er tauchte die Szenerie in ein kaltes, unwirkliches Licht. Der Wind säuselte durch ihre Haare, wie die Finger von Gespenstern streichelte er ihre Wangen. „Hier lässt es sich warten“, sagte sie zu sich selbst. Sie hatte sich entschlossen ihre Gedanken laut auszusprechen. Das half ihr hoffentlich einen klaren Kopf zu bewahren. Sonst wurde ihr Wille womöglich instabil. Sie würde zweifeln, nach Hause schleichen, einsam vor sich hin vegetieren. Sie hatte einen Entschluss gefasst, mehr noch, es war eher ein Vertrag. In düsterer Einsamkeit ihres Zimmers hatte sie es endlich begriffen, den Weg gefunden, der ihr Frieden bringen würde. Sie hatte die Vorkehrungen getroffen, sie hatte ihrer Mutter einen Brief geschrieben, und nun war sie hier. „Es hört mich hier sowieso keiner.“ Ihre Stimme verhallte in der Nacht. Dann war wieder Stille. Stille. Stille. Sie hasste Stille. In ihrem Zimmer war Stille allgegenwärtig. Nun, wenn man mal von den Geräuschen absah, wenn die Jungs Eier, Tomaten, manchmal sogar Steine gegen die Fenster warfen. Oder wenn sie wild an ihre Haustür und Fenster hämmerten, ihr fiese Namen und wüste Beleidigungen zuschrieen und dabei vor dem Fenster Grimassen schnitten oder wüste Gesten vormachten. Manche von den älteren Jungs wurden sogar äußerst freizügig, zeigten ihr ihre – ihrer Meinung nach – besten Teile und demonstrierten – ausführlich – an einer Puppe, die mit ihrem Namen beschriftet war, was sie mit ihr machen würden, sollten sie sie jemals an Orten erwischen, wo sich keine anderen Menschen aufhielten. Natürlich nur, wenn sie ihr vorher eine Papiertüte über den Kopf zogen. Sie wollte ja schließlich keiner sehen. Das machten sie ihr unzweifelhaft oft genug deutlich. Wie unglaublich hässlich sie war. Mit ihrem kantigen, grobschlächtigen Gesicht, ihren strähnigen Haaren, ihren leicht zu groß geratenen Augen, ihrer dicken Stupsnase, ihren zu großen Ohren, ihren Pickeln im Gesicht. Wenn man die Jungs fragen würde, sie könnten vermutlich zu jedem dieser Punkte einen Roman verfassen. Mündlich hatten sie bereits eine ganze Sammelbandedition ihr vorgestellt. Ab und zu hatte sie sich gefragt, wie die Dinge stehen würden, wenn sie etwas mehr Oberweite besäße. Vielleicht wäre dann der ein oder andere Junge netter zu ihr, sei es nur, weil er sich eine schnelle Nummer erhoffte. Doch sie war flach wie ein Brett. Eine Tatsache, die ihr die anderen Mädchen liebend gern unter die Nase rieben, oder es in ihren – ach so einfallsreichen – Witzen andeuteten.

All das war schon immer so gewesen. Schon immer, seit sie an diesen verfluchten Ort gezogen waren. Am Anfang war es noch leichter für sie. Klar, von Anfang an gab es jene, die sie hänselten. Aber der Rest begegnete ihr mit einer neutralen, zögerlichen Haltung, wie man sie Fremden nun mal entgegen bringt. Manche waren sogar richtig höflich gewesen. Das war das schlimmste. Egal wie nett sie waren, irgendwann standen auch sie vor dem Fenster. Es gab eine Zeit, da führte sie eine innerliche Liste. Auf ihr hielt sie die Daten fest, wann die Jungs, die sie mochte, von denen sie gemocht werden wollte, denen sie etwas bedeuten wollte, zum ersten Mal vor ihrem Fenster erschienen. Sie hielt auch Mädchen auf ihrer Liste fest. Die Mädchen, die ihr am Anfang das Gefühl von Zuneigung gegeben hatten. Die sich in der Klasse neben sie gesetzt hatten. Von denen sie dachte, sie wären Freundinnen. Die Mädchen beteiligten sich zwar nicht an den Aktionen vor ihrem Fenster, doch standen sie vor dem Zaun, kicherten und jubelten, wenn „ihr Held“ sich eine besonders ausgefeilte Gemeinheit einfallen ließ. Vielleicht würde diese Nacht etwas ändern. Vielleicht würde die eine oder andere Person begreifen, was sie getan hatten. Vielleicht würden sie es bereuen. Vielleicht war das aber auch alles naives Wunschdenken. Vielleicht würde es nur zu neuen Witzen anregen, von Person zu Person weitererzählt, auch wenn sie längst nicht mehr da war um sie zu hören.

„Wo bleibt bloß dieser verdammte Zug?“ Selbst zum Sterben war sie wohl nicht gut genug. Sie fing an, die Schienen entlang zu gehen. Wie es wohl sein würde? „Wird es weh tun?“ Auch wenn keiner da war um es zu bemerken, klang ihre Stimme ängstlich. Dafür hasste sie sich. Wie würde ihre Mutter reagieren? Sie würde vermutlich die Schultern zucken und weiterarbeiten. Wie immer. Sie hatte ihr von den anderen Kindern erzählt. Sie hatte zugehört, gesagt „Ich kümmer mich darum, Schätzchen. Ich erledige nur zuerst diesen dringenden Auftrag“, und war auf Geschäftsreise verschwunden. Sie hatte sie gebeten umzuziehen. „Ich kümmer mich darum, Schätzchen. Ich erledige nur zuerst diesen dringenden Auftrag“, und war erneut auf Geschäftsreise verschwunden. Sie hatte sie gebeten mehr Zeit mit ihr zu verbringen. „Ich kümmer mich darum, Schätzchen. Ich erledige nur zuerst diesen dringenden Auftrag“, und war auf Geschäftsreise verschwunden. „Vermutlich wirst du um mich trauern. Wenn du diesen dringenden Auftrag erledigt hast.“ Sie erreichte einen Tunnel. „Wenn ich dort hoch klettere, wird die Höhe genug sein?“ Da bemerkte sie etwas an der Tunneldecke. Etwas Rotes. Sie ging langsam näher. Ein Luftballon klemmte dort fest. Sie betrachtete ihn. „Wunderschön, nicht wahr?“

Mit einem erschrockenen Schrei fuhr sie herum. Ein Mann trat aus dem Schatten des Tunnels. Er sah schäbig aus, seine Kleidung war heruntergekommen, sein Gesicht unrasiert und schmutzig. Es sah aus, als hätte er bis eben noch unter der Brücke geschlafen. „Ehm… ähh…“, stammelte sie. Was sollte sie nun tun? Sie hatte alles geplant, hatte über 1000 Gründe es zu tun, war fest entschlossen gewesen es zu tun. Aber mit Zuschauern hatte sie nicht gerechnet. Dieser Mann war völlig unerwartet und brachte alles durcheinander. „Guten Tag“-, sprach er sie an,-„oder gute Nacht, je nachdem wie man es nimmt.“ „Nun ehm, ja“, brachte sie bloß hilflos hervor. Sie kam sich so dumm vor. Bereits hörte sie in sich die Stimmen der anderen, wie sie tuschelten über die neuste Story: Der Mitternachtsflirt mit dem Penner. So stand sie also da, überlegte, was sie sagen sollte. „Entschuldigen Sie, ich wollte nicht stören.“ Das kam ihr plausibel vor. In ihrem Kopf ratterte es. Was jetzt? Sie konnte sich doch nicht vor seinen Augen vor den Zug werfen. Doch, sie musste. Sie durfte jetzt keinen Rückzieher machen. Sie würde Frieden finden, wenn nicht jetzt, dann nie. „Ich entschuldige mich, ich wollte dich nicht stören.“ Sie zuckte zusammen, das war jetzt noch unangenehmer. Er hatte sie sofort durchschaut. Wahrscheinlich war es nicht schwer. Ihr stand es ins Gesicht geschrieben, sie war das Opfer, die Ausgestoßene. Er hatte sie angeschaut, hatte ein hässliches Mädchen mit vernarbten Armen gesehen, welches sich nachts allein auf einer Zugstrecke befand. Dann hatte er eins und eins zusammengezählt. „Sind Sie ein Bettler?“ Die Frage brach einfach so aus ihr hervor. Innerlich ohrfeigte sie sich selbst. Sie hatte so lange keine Konversation mehr geführt, dass sie nicht nachgedacht hatte, sodass das erstbeste aus ihrem Mund quoll, was ihr durch den Kopf ging. Jetzt hatte sie es geschafft den Menschen, der sie nicht gleich wie Abschaum behandelte, vor den Kopf zu stoßen.

Zu ihrem großen Verwundern blickte er sie belustigt an. „Ein Bettler? Nein. Ich bettle nicht. Ich will kein Geld. Geld würde ich nur sofort verspielen. Weißt du, mir ging es gut, doch dann bekam mein Sohn Krebs. Er starb. Ich suchte Zerstreuung, ich musste mich ablenken. Also begann ich zu spielen. Ich spielte und spielte und spielte immer mehr. Meine Frau verließ mich, also spielte ich noch mehr. Ich verlor meinen Job, ich spielte noch mehr. Irgendwann hatte ich all mein Geld verspielt und verlor mein Haus.“ Wie er so erzählte, da tat er ihr richtig leid. Sie wollte ihm anbieten mit zu ihr nach Hause zu kommen. Der arme Kerl musste seit wer weiß wie lange nichts Anständiges mehr gegessen haben. Dann fiel es ihr wieder ein, sie konnte nicht nach Hause. Sie durfte nicht nach Hause gehen! Nicht jetzt, sie musste das hinter sich lassen! „Spielen ist eine Sucht. Doch manchmal kann ein Gedanke auch eine Sucht sein.“ War sie süchtig nach dem Gedanken nach Suizid? Nein, das war Quatsch, sie hatte gute Gründe. Aber im Moment ging es ihr doch gut, oder? „Wie erträgst du das?“-, brach es da plötzlich im Flüsterton aus ihr heraus, -„All das Leid, all diesen Schmerz.“ Und da lächelte er sie an. Und tausend Tonnen fielen von ihrem Herz und wie gebannt starrte sie auf diese freundlichen Lippen. „Ich ertrage es, indem ich es ertrage. Am schlimmsten ist die Nacht vor der Dämmerung. Das ist aus dem Lieblingsfilm meines Sohnes. Ich befinde mich bereits in der Dämmerung. Man muss aus anderen Perspektiven denken. Sieh dir diesen Luftballon an.“ Sie tat es. „Andere sehen bloß einen mit Helium gefüllten Luftballon, welcher an der Tunneldecke festklemmt. Billiges Plastik ohne langen Bestand. Aber ist es nicht das, was ihn ausmacht? Steckt dieser kleine Ballon nicht voller Geheimnisse? Wie kam er an die Decke dieses Tunnels mitten auf den Schienen? Wieso besitzt er einen so großen Willen nach Freiheit, wo er doch sehr arm und so unspektakulär geschaffen ist?“ Sie lauschte gebannt und starrte fasziniert auf den Ballon. Es stimmte. Dieser Ballon war schlicht, und doch das Schönste, was sie an diesem Abend gesehen hatte. „Der Ballon hat nur ein Problem. Er steckt fest, begraben unter Tonnen und Tonnen von Mörtel und Stein, unbeweglich, stur, von seiner Meinung nicht abzubringen. Der Stein liebt den Ballon nicht, der Ballon liebt den Stein nicht. Doch ist der Ballon der schwächere, der schieren Übermacht des Steins unterlegen. Ist für immer verflucht dieses triste Dasein zu fristen, unglücklich und unterdrückt? Die Antwort ist Nein. Man muss aus einer anderen Perspektive denken. Sackt der Ballon nur ein Stück ab, versinkt noch tiefer in seinem Elend und erhält dann einen leichten Stups, etwas Hilfe von außen, Wind zum Beispiel, so ist er frei. Freier als der Stein es je sein wird. Höher und höher wird er aufsteigen, immer höher über den Stein gelangen, und irgendwann den verhassten Feind weit hinter sich gelassen haben!“

Der Zug raste vorbei. Der Ballon löste sich los und stieg hoch in den Himmel. Er war rot. Rot wie die Farbe der Hoffnung. Die Dämmerung brach an. Es war wunderschön.

Lukas Cronin

Garten der Hoffnung

Lachend saß er auf den Schultern seines Vaters. Glücklich. Sie gingen spazieren, sie hatten dies früher so oft getan. Neben seinem Vater lief seine Mutter, Hand in Hand mit ihm und ebenfalls lachend, eine wunderschöne kleine Blume hing in ihren Haaren. Sie blickte zu ihm hoch, und er spürte eine unglaubliche Liebe, welche von Herzen kam, sich ihren Weg über ihre Augen suchte, und ihn von Kopf bis Fuß durchflutete. Er wusste, er war ihr Schatz. Er wusste, dass sie alles tun würde um ihn glücklich zu machen. Er wusste, dass er stets auf sie zählen konnte. Er wusste all dies, auch wenn er noch zu jung war um zu begreifen, wie unglaublich kostbar dieses Gefühl des Wissens zu besitzen war. Seine Mutter kuschelte sich enger an seinen Vater, dann gingen sie weiter. Sie erreichten das alte Zechengelände. Obwohl es ein herrlicher Tag war, war der Platz leer. „Die Menschen wissen diesen Ort nicht zu schätzen“, sagte sein Vater immer. „Sie sehen bloß zugepflasterte Fläche, altes Eisen, ein Überbleibsel aus einer Zeit, die man längst hinter sich gelassen hat. Was sie nicht sehen ist, welche Magie dieser Ort besitzt, welche er für uns besitzt. Dieser Platz ist unser. Unser geheimer, kleiner Ort des Friedens.“ Nach diesen Worten küssten er und seine Mutter sich meistens.

Er saß auf seinem Bett. Lautes Gepolter drang von unten zu ihm hoch, untermalt wurde es von dem stetigen Prasseln des Regens vor seinem Fenster. Nun wurden auch die Schreie deutlicher, die Beiden mussten sich dem Treppenhaus nähern. Die Geräusche mit dem Kopfkissen abdämpfen, einen Versuch war es zumindest wert. Eine Tür knallte, erst einmal und kurz darauf noch einmal. Zimmerwechsel. Wie lange ging das nun schon so? Ein dreiviertel Jahr? Oder bereits ein Jahr? Es war schwierig zu sagen, es hatte sich so schleichend eingestellt, dass man es zunächst nicht als das Unheil wahrgenommen hatte, zu dem es inzwischen geworden war. Jemand schlug unten die Hand auf den Tisch, mal wieder. Vater? Nein, wenn er es tat, klang es anders, es musste wohl Mutter gewesen sein. Er zog die Knie an und fing an, hin und her zu wippen, hoffend, dass das Gekeife aufhören möge. Doch den Gefallen taten sie ihm nicht. Ganz langsam stand er auf. Seine ersten Schritte ging er noch fast andächtig, doch relativ schnell wurden sie zügiger. Als er den Flur erreicht hatte, rannte er. Die Tür flog auf, die Tür knallte zu. Dann war er draußen.

Er wusste nicht wohin. Er wusste überhaupt nicht mehr weiter. Alles was er wusste war, dass er weiter musste. Fort. An einen Ort, wo es erträglicher war. Immer weiter. Seine Füße klatschten, als er die überschwemmten Straßen entlang floh. Ein stetiges Aufspritzen, gefolgt von dem unappetitlichen Geräusch, das sein Fuß erzeugte, wenn er sich in die durchweichte Sohle einbohrte, dann das Schmatzen, als er wieder aus dem Wasser gezogen wurde, begleitet von den Klängen der unaufhaltsamen Sintflut, welche sich aus dem Himmel ergoss, und seinem unregelmäßigen, keuchenden Atem. Seine Füße waren schwer, sie zu bewegen kostete ihn enorme Anstrengung, als watete er durch einen Sumpf. Doch er verlangsamte sein Tempo nicht. Von Kopf bis Fuß war er durchnässt. Seine Kleidung klebte an seinem Körper. Das Wasser lief ihm übers Gesicht, er schmeckte das Salz.

Der Schmerz schoss durch seine Beine, ausgelöst durch den Aufprall seiner Knie auf die Pflaster-steine. Er wollte nicht hier sein. Nicht an diesem Ort. Dieser Ort war eine einzige Lüge. Die Illusion einer besseren, einer perfekten Welt. Einer Welt, in der sie alle noch glücklich gewesen waren und aufeinander gezählt hatten. Einer Welt, die es nicht mehr gab. Der Förderturm ragte bedrohlich in den grauen Himmel empor. Seine Beine hatten ihn automatisch hier hin getragen, sein Ziel hatte er erst erkannt, als es bereits zu spät war. Der Platz war verlassen, wie hätte es auch anders sein sollen? Er war öde, eintönig, einfarbig, trostlos. Keinerlei Magie floss durch diesen Ort. Vater hatte es bloß poetisiert, er war Romantiker. Damals. Die Vorstellung, seine Eltern könnten je wieder hierhin zurück kommen, mit ihm auf den Steinen picknicken, sich vor dem Hintergrund der Zeche liebevoll küssen, war ein naiver Traum eines hoffnungslos hoffenden Jungen. Am Rande seines Blickfelds nahm er eine Farbe war. Eine kleine Blume wuchs aus der Erde zwischen den Steinen hervor. Standhaft trotzte sie dem auf sie einprügelnden Regen, blieb straff und kämpferisch und ließ sich wider aller Erwartungen vom auf sie einstürzenden Wasser nicht klein kriegen. Eine Erinnerung schoss durch seinen Kopf, wie er als kleines Kind ebendiese Blume pflückte, sie seiner Mutter ins Haar steckte, und dann auf die Schultern seines Vaters gehoben wurde. Und dann begriff er.

Er musste einen ziemlich merkwürdigen Anblick abgeben, wie er da tropfnass an der Kasse stand und mit der Verkäuferin diskutierte. Er wusste sehr wohl, dass man diese Blume eigentlich nur als Zierde bei Sträußen kaufte, nicht als Einzelne und schon gar nicht noch als Keimlinge. Die Frau schien sichtlich überfordert zu sein. Sie war zwar bereit seinen Wunsch zu bestellen, wusste aber nicht, wie sie es abbuchen sollte. Schließlich einigten sie sich.

Der Wind blies durch sein Fenster. Von unten waren laute Stimmen zu hören. Er stand auf und ging los. Die Tür ging auf, die Tür fiel zu. Die Verkäuferin lächelte ihn freundlich an. Er betrat den Platz und setzte seine Arbeit fort.
Die Sonne berührte mit ihren ersten Strahlen das Bett. Jemand schlug mit der Faust auf den Tisch. Er stand auf und ging los. Die Tür ging auf, die Tür fiel zu. Die Verkäuferin fragte ihn, ob er das Übliche wolle. Er betrat den Platz und setzte seine Arbeit fort.

Vorsichtig setzte er einen Fuß vor den anderen, stets darauf bedacht auf keine Blume zu treten. Mit einem kurzen Blick nach links und rechts vergewisserte er sich, dass wirklich keiner in der Nähe war, daraufhin kletterte er über den Sicherheitszaun und begann die Stufen hinaufzugehen. Als er oben am Förderturm angekommen war, blieb er stehen und schloss für einen Moment die Augen, ließ die Magie des Ortes durch sich hindurch strömen. Letztendlich hatte er sie verstanden. Dieser Ort würde nie wieder derselbe sein, der er früher war. Seine Eltern würden vermutlich nicht mehr hierher zurückkommen. Aber die Hoffnung bestand dennoch. Die Hoffnung, dass sich alles bessern würde, blieb bestehen. Mochte dieser Traum noch so naiv sein, so war er trotzdem eine freundliche Illusion. Denn auch falsche Hoffnung war, solange man sie hegte und pflegte und nicht verkommen ließ, immer besser als Hoffnungslosigkeit. Er öffnete die Augen und blickte hinab. Er freute sich schon auf den Tag, an dem er seinen Eltern dies zeigen würde: Aus jeder Rille, die halbwegs Erde besaß, über den ganzen Platz verteilt, wuchsen die bunten Blumen. Sein persönlicher Garten der Hoffnung.

Lukas Cronin

Siebzehnter vierter

Du lächelst mich an. Ich liege hier in deinem Arm und streiche sanft eine Strähne aus dem Gesicht, die dir über deine rehbraunen Augen fällt.

Dein warmer Blick vermittelt mir Geborgenheit und Vertrauen. Jedes Mal, wenn ich in diese Augen schaue, umhüllt mich ein Gefühl, welches ich in meinem Leben nicht missen will.

Seit ich dir das erste Mal begegnet bin, genau genommen vor 14 Jahren, hat vieles eine andere Bedeutung für mich. Freundschaft, Liebe, Treue und auch Hoffnung. Ich weiß, dass es viele Ansichten von und zu Hoffnung gibt. Meine persönliche Verbindung jedoch ist greifbar, sie besteht aus Fleisch und Blut. Ein Mensch, der mich auf meinem Lebensweg begleitet und mir das Gefühl gibt, etwas ganz Besonderes zu sein. Ein Mensch, mit dem meine kleine Welt vollkommen ist.
Dieser Mensch bist du. Du bist meine Zuflucht an schlechten Tagen, du bist meine Hilfe in Not. Du gibst mir Hoffnung und machst mir Mut.

Wenn ich deinen wohlbekannten Duft rieche und deine Stimme höre, weiß ich, dass ich mit dir an meiner Seite alles schaffen kann. Wenn ich deine Lippen auf meinen spüre, schmecke ich den Geschmack purer Leidenschaft und Liebe. Wenn ich dich sehe, muss ich lächeln und weiß, dass ich dich auch mit 60 genauso schön finden werde. Und wenn du meine Hand hältst, möchte ich sie am liebsten nie wieder loslassen. Denn dann fühle ich mich so mächtig.

Du gibst mir die Kraft im Herzen, die mich in der Gegenwart hoffen und handeln lässt, weil ich an die Zukunft glaube.

Wenn ich an dich denke, schöpfe ich neue Energie und weiß, dass ich nie aufgeben darf.

Mit dem richtigen Menschen an der Seite, verkraftet man Rückschläge im Leben, weil dieser an einen glaubt, wenn man es selbst nicht tut.

Der richtige Mensch gibt uns die Stärke, für unsere Ziele zu kämpfen und Hindernisse zu überwinden.
Du bist mein richtiger Mensch. Ich habe Hoffnung, weil ich dich habe.

Ich wache aus meinen Gedanken auf und blicke wieder in dein Gesicht. Du fragst mich, wovon ich geträumt habe, und ich erwidere, dass ich lediglich hoffe, dass jeder auf der Welt einen Menschen wie dich findet. Du lächelst mich an.

Melda Güler

Du sagst, ich bin dein Baum

Du sagst, ich bin dein Baum,
doch du vergisst eins komplett:
Ohne eine feste Rinde
ist ein Baum noch nicht perfekt.

Egal ob nass oder trocken,
ich will nicht in der Stube hocken.
Denn du behütest mich zur Fülle,
du bist wahrlich meine Hülle.

Du sagst, ich halt dich bodenständig,
ich mach doch gar nichts, denk ich.
Ich lass mich nur von dir beschützen,
was könnte ich dir da wohl nützen.

Du sagst, ich bin dein Baum.
Du sagst, ich halt dich fest.
Du sagst. ich geb’ dir Schwung.
Doch tatsächlich

bist du
mir
meine Hoffnung!

Arthur Langer

Die weiße Feder

Es war ein kalter und grauer Tag. Wie immer saß er auf der Bank und lauschte dem Regen. Nass zu werden machte ihm schon lange nichts mehr aus. Zu lange war es her, dass er das letzte Mal etwas gefühlt hatte. Helle und unbeschwerte Tage gab es nur noch in seinen Erinnerungen. Er wusste selber nicht genau, wie sich alles um ihn herum verändert hatte, oder wie lange er schon hier saß. Das Einzige, was er wollte, war Freiheit. Frei von seiner verabscheuten Arbeit, frei von seinen falschen Freunden, frei von sich selbst.

Plötzlich wurde es heller und er sah eine kleine weiße Feder vor sich in der Luft schweben Und in seinem Kopf kamen lange verdrängte Erinnerungen hoch: Damals, als er noch alles vor sich hatte. Alles war so leicht und unbeschwert, so wie diese Feder. Er wünschte sich die alte Zeit zurück. Wie konnte es nur soweit kommen?
Dann traf er eine Entscheidung. Gleich morgen würde er kündigen und den Kontakt zu seinen „Freunden“ abbrechen. Vielleicht sogar in eine andere Stadt ziehen. Ein Neuanfang. Ein helles Licht riss ihn aus seinen Gedanken. Die Sonne strahlte und seine Umgebung leuchtete in bunten Farben. Er hob die Feder, die ihm seine Hoffnung zurückgebracht hat, auf und machte sich auf den Weg nach Hause…

Julia Litau

Lass ihn nicht dein Feind sein

Ein Moment, den ich niemals vergessen werde. Gesagt zu bekommen, dass du unheilbar krank bist und nicht mehr lange zu leben hast, tut unheimlich weh. Nein. Es tut dir nicht nur weh, es macht dich traurig, wütend und zornig zugleich. Ich erinnere mich noch genau, wie mein Gegenüber mich anblickte. Ich blickte in dieses Gesicht und wollte das Alles nicht wahrhaben. Ich sollte sterben? Ich? Warum ausgerechnet ich? Nein, niemals. Das konnte nicht wahr sein. Das durfte nicht wahr sein. Tränen liefen meine Wangen hinunter. Sofort wischte ich sie weg, ich war auf mich selbst unfassbar sauer, zu weinen. Für die folgende Zeit hatte ich mir nur eins fest in den Kopf gesetzt: ich würde nicht sterben. Nicht hier. Nicht jetzt. Nicht so.

Tage, ja sogar wochenlang verschanzte ich mich in meinem Zimmer. Wollte mit niemanden reden. Vergoss hunderttausende Tränen. Isolierte mich von der gesamten Welt, bekam nichts mehr mit, was um mich herum geschah. Das dauerte fünf Wochen an. Ich fühlte mich nicht lebendig. Auf den Wunsch meiner Eltern nahm ich Massen an Medikamenten, machte Therapien. Sie halfen mir keineswegs. Aber hatte ich eine andere Wahl? Hätte ich mich meinen Eltern widersetzen sollen? Wer würde auf diese Frage schon mit Ja antworten. Ich würde es definitiv nicht tun. Das dachte ich für einige Zeit. Nach zwei Monaten voller Qualen, Höllenschmerzen und unfassbar viel Leid, änderte sich die Antwort. All diese Fragen beantwortete ich nun mit Ja. Warum sollte ich Rest meines Lebens hier gefangen sein, wenn ich all das tun könnte, was ich noch einmal machen wollte? Unfassbar viel Zeit habe ich nicht genutzt. Monatelang getan, als würde ich leben. Um es anderen Recht zu machen. Damit war jetzt Schluss. Genau wie es mein Leben bald sein würde. Doch ich hatte keine Zeit, weiter darüber nachzudenken. Ich musste handeln, um meinen Willen und letzten Wunsch durchzusetzen. Nachdem ich meine Familie überzeugt hatte, war ich sehr glücklich. Das erste Mal seit langer Zeit zierte ein fröhliches Lachen mein Gesicht. Ein echtes Lachen. Was vielen wohl schmerzen musste. Doch für mich ging mein letzter Wille in Erfüllung. Ich tat all die Dinge, die jeder vor seinem Tod noch einmal machen wollte: Achterbahn fahren, eine Safari machen, einen Fallschirmsprung, Surfen, und noch so vieles mehr. Mein allergrößter Wunsch aber war es, über eine Blumenwiese zu laufen. Ein letztes Mal. Nur wenige Wochen waren vergangen, als ich spürte, dass die Zeit gekommen war. Ich ging zu einer Blumenwiese. Prächtig blühend, wunderbar duftend, einfach endlos. Sie lag auf einem Hang. Bewusst lief ich nach ganz unten. Mit meinen Händen streifte ich die Blumen, sah die verschiedenen Formen und Farben. Ich wollte den Hang hinauflaufen und währenddessen die einzelnen Stationen meines kurzen Lebens Revue passieren lassen. Wenn ich oben angekommen wäre, würde es der Abschluss sein. Also begann ich den Berg immer weiter hinaufzulaufen. Ich lief langsam, ließ mir alle Zeit der Welt. Ich wusste, dass ich viel Zeit nutzlos verbracht habe. Umso dankbarer war ich für die Zeit, die ich so verbringen konnte, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Als ich an meine Leukämie-Erkrankung zurückdachte, stockte ich. Die erste Zeit war die Schlimmste. Ich konnte und wollte es nicht akzeptieren. Ich hätte niemals gedacht, dass ich es je tun würde. Heute stehe ich hier und kann sagen, dass ich es getan habe. Es hat gedauert, aber das Lebensende zu akzeptieren fällt nicht leicht. Vor allem, wenn eine Krankheit dich so zerstört. Dich von innen zerstört, dir deine Lebensfreude nimmt. Ich aber kann sagen, dass ich erst durch die Krankheit gelernt habe, wie wertvoll das Leben ist. Langsam tragen meine Füße mich weiter den Berg hinauf. Ich denke über meine Familie und Freunde nach. Die mich unterstützt haben. Immer. Die mir immer wieder aufgeholfen haben, wenn ich gefallen bin. Die mich nie aufgegeben haben. Die letzten Monate waren die Tollsten meines ganzen Lebens. Alles erleben zu dürfen, was du gerne möchtest. Spaß zu haben, zu lachen. Vor wenigen Monaten hätte ich nicht daran gedacht, noch einmal ein glücklicher Mensch zu werden. Natürlich plagten mich den einen oder anderen Tag Ängste, doch sie konnten immer nur dann so unheimlich laut werden, wenn es absolut still war. Ich musste sie mich denken lassen, aber ich verbot mir selber, mich von diesen dominieren zu lassen. Nun bin ich an dem Ort angelangt, an dem ich gehen muss. Ein Ort der Reinheit. Des Friedens. Der Freiheit. Ein Ort, der es mir leichter nicht machen könnte, um mein Lebensende akzeptieren zu können.

Es mag das Ende sein,
aber bedeutet das nicht gleichzeitig
einen neuen Anfang?

Hannah Mülders 

Muss ich dich auch noch verlieren?

Überall
sehe ich Menschen, die glücklich herumlaufen.
Sie lachen,
sie plaudern,
sie strahlen.
Jedoch kann keiner meine inneren Hilfeschreie hören,
während ich machtlos zusehen muss, wie mein Leben in sich zusammenfällt.
Freundschaften gehen kaputt,
Versprechen werden gebrochen,
Träume werden zerstört.
Keiner kann mich aus meiner
inneren Finsternis herausziehen.
Keiner.
Außer du.
Nur du,
mit deinen liebevollen Augen,
gibst mir das Licht,
das ich so verzweifelt brauche,
um aus dem tiefsten Abgrund zu entkommen.
Doch jetzt habe ich Angst.
Ich fürchte mich so.
Muss ich dich auch noch verlieren?
In letzter Zeit hatten wie unsere
Differenzen.
Entzweiung wegen
Missverständnissen -
sich wegen dummer Sachen
streiten,
es herrscht Disharmonie zwischen uns.
Du bist mein Leuchtfeuer, das mich wieder zum
rechten Weg führt.
Du bist meine Hoffnung, mein Wegweiser, meine Motivation.
Ich will dich nicht verlieren.
Aber auch wenn wir uns nicht einig sind
und es zu Streit kommt,
schaffen wir es irgendwie uns wieder zu
vertragen.
Auch wenn ich dich verletze,
vergibst du mir.
Es tut mir so leid.
Ich will nicht,
dass deine Liebe verschwindet.
Ich will dich nicht verlieren.
Ich will
Dich nicht
verlieren.

Joshua Tirol de Sousa

In der linken Spalte finden Sie Texte von Schülern, die zu den ausgewählten Autoren des Schreibwettbewerbs "Was mir Hoffnung macht!" gehören und deren Texte in der gleichnamigen Anthologie veröffentlicht wurden. 

Ich werde fliegen
von Ida Borgwardt

Als der Ballon in den Himmel stieg
von Lukas Cronin

Garten der Hoffnung
von Lukas Cronin

Siebzehnter vierter
von Melda Güler

Du sagst, ich bin dein Baum
von Arthur Langer

Die weiße Feder
von Julia Litau

Lass ihn nicht dein Feind sein
von Hannah Mülders

Muss ich dich auch noch verlieren?
von Joshua Tirol de Sousa