Ups

Was ist die Zeit für mich?
Ich glaube, meine Zeit ist mein Leben. Und das soll angeblich ca. 75 Jahre andauern. Yeah! Das ist ja noch voll viel Zeit. 75 minus 16, also noch 59 Jahre.
Pech nur, dass ich Hunger habe. Und zwar auf Cheesburger. Obwohl viel rotes Fleisch mein Krebstodrisiko um 22 % erhöht. Und dann noch die Weichmacher aus den Plastikflaschen und die Abgase in der Luft. Wahrscheinlich wäre es sicherer, nichts mehr zu essen oder zu trinken und auch nicht mehr zu atmen. Dann bin ich sicher vor den ganzen schädlichen Einflüssen.
Mann, Mann, Mann – diese Statistiken können einem ganz schön Angst machen. Und falls ich auch noch dick werden sollte, sieht’s noch viel schlechter für mich aus. 1300 Tage soll mich das kosten können. Das wären ja fast 4 Jahre noch zusätzlich zu meinem ca. 50% Krebswahrscheinlichkeitstod.
Aber eine Zigarette würde mich jetzt bestimmt beruhigen. Blöd nur, dass diese Beruhigung mich weitere 11 Jahre kosten wird. Also nur noch 45 Jahre übrig. Oh, Mist!
Das geht ja schneller, als ich dachte.
Vielleicht kann ich meine Sorgen in Alkohol ertränken. Obwohl doch die neueste Studie besagt, dass mich das im Extremfall 20 saftige Jahre kosten kann, also fast die Hälfte von dem, was mir noch bleibt. Am besten unterlasse ich einfach alles, was Spaß machen könnte. Und außerdem: Besoffen würde ich bestimmt keine Freundin finden und das bedeutet noch mal 10 Jahre weniger.
Bleiben mir also noch 15 Jahre. Ups?!, mehr als die Hälfte meines Lebens ist schon vorbei. Bei dem Gedanken werde ich wohl kaum schlafen können. Ein Teufelskreis, denn Schlafmangel wird mein Leben um weitere 5 Jahre verkürzen. 10 Jahre nur noch? Und ich dachte, mein Leben finge gerade erst an. Jetzt das.
Am besten höre ich einfach auf zu existieren, dann kann mir nichts mehr meine Zeit nehmen.

Daniel Bormann

Für die Zukunft entscheidend

Warum sagt man immer, dass die Zeit rennt,
obwohl sie eigentlich immer

im selben Takt vergeht,
Sekunde für Sekunde,

Minute für Minute,
Woche für Woche?

Eine Millisekunde kann über einen ersten
oder zweiten Platz entscheiden.

Eine Sekunde kann über Leben
oder Tod entscheiden.

Eine Minute kann über Freude
oder Enttäuschung entscheiden.

Eine Stunde kann über den Ruf
eines Menschen entscheiden.

Ein Tag kann über gute
oder schlechte Laune entscheiden.

Eine Woche kann über Erholung
oder Stress entscheiden.

Ein Monat kann über
die Lebensdauer entscheiden.

Ein Jahr kann über schöne
oder schreckliche Erfahrungen entscheiden.

Die Zeit wird nie aufhören zu vergehen,
deshalb ist jeder Moment

kostbar

und für die Zukunft entscheidend.

Tamara João

Plötzlich klopfte es an der Tür

Ist die Zeit nur eine messbare Größe?
Die Sprachwissenschaftler sagen:
Es ist eine grammatische Zeitform (lat. Tempus).
Die Physiker sagen:
Es ist eine messbare Größe (Formelzeichen t).
Die Philosophen sagen:
Es ist das Fortschreiten der Gegenwart, Vergangenheit und der kommenden Zukunft.
Die Psychologen sagen:
Es hängt von der Wahrnehmung des Individuums ab.
In der Ökonomie ist die Zeit nur ein Wertgegenstand. Auch in der Biologie, Soziologie, in den Kulturwissenschaften, in der Literatur und so weiter, hat die Zeit eine zentrale Rolle.
In mehreren Wörtern ist die Zeit indirekt definiert wie zum Beispiel: Stadium, Periode, Etappe, Datum, Frist, Termin und so weiter. Wie Ihr seht, ist die Zeit ziemlich komplex. Wenn ich alle Definitionen aufzählen würde, dann würden wir hier noch bis morgen sitzen, werden unsere Köpfe zerbrechen und würden trotzdem zu keinem eindeutigen Ergebnis kommen. Was ist eigentlich die Zeit? Sie ist weder greifbar noch sichtbar, noch fühlbar, aber sie ist trotzdem da und bestimmt unser Leben. Man kann die Zeit nicht zurückspulen oder anhalten, sie läuft und läuft, egal ob man will oder nicht.
Es gibt jedoch Momente, in denen die Zeit schnell vergeht, z.B. wenn ich mich mit Freunden treffe oder im Urlaub bin, aber auch in Prüfungen vergeht die Zeit wie im Flug. Es geht auch anders herum, in Momenten, wo man Langeweile hat, oder wo man nichts zu tun hat, oder wenn ich in der Schule trockenen Stoff abarbeiten muss, vergeht die Zeit langsam. Es gibt natürlich auch Momente, bei denen ich glaube, dass die Zeit stehen bleibt, vor allem wenn man in einem Schockzustand ist. Das alles sind aber nur Zeitempfindungen, man glaubt, dass die Zeit stehen bleibt, man glaubt, dass die Zeit einem davonrast, oder man glaubt, dass die Zeit nicht vergeht, aber das sind alles nur Gefühle und die sind bei jeder Person, auch bei mir, situationsabhängig, denn die Zeit läuft und läuft. Wenn ich ehrlich bin, wünsche ich mir jetzt, dass ich viel Zeit geschenkt bekomme. Man sollte seine Zeit nutzen, bevor es zu spät ist. Am Ende bleiben einem die Erinnerungen übrig, zu den Momenten in der Zeit. Seht ihr? Die Zeit ist nicht nur eine messbare Größe. Also...

Plötzlich klopfte es an der Tür. Der Doktor kam herein und sagte mit ernster Miene: Es wird Zeit.

Erika Ntungwanimana

Staub im Wind

Letzten Monat war es noch der Kindergarten,
den man mit seinen Freunden besuchte.
Frühstückte, dann malte, danach auf den Hof und spielen.

Letzte Woche kam der angekündigte Ernst des Lebens
in Form der Grundschule. Man musste Hausaufgaben machen,
ging zu Kindergeburtstagen und hatte Spaß.

Gestern kam man auf die weiterführende Schule.
Neue Leute, neue Freunde – alles irgendwie fremd.
Doch kam man schnell klar, spielte Fußball im Park,
machte Blödsinn in der Schule,
Wasser-Eis nach der Schule war Pflicht.

Heute heißt es lernen, Bewerbung, Sport, Freunde, Freundin,
Abi, arbeiten und wieder lernen.
Es ist nicht mehr so einfach,
der wirkliche, angekündigte Ernst des Lebens ist mit Verspätung und einem lauten
Knall
nun endlich angekommen

und zeigt uns, dass
die Zeit
nur Staub im Wind ist.

Leander Piechaczek

die zeit

sie geht
sie steht
sie fliegt
sie rennt
sie eilt
oft gebraucht
und doch nie da
mal im übermaß
doch öfter rar
immer beständig
wie das fortwährende ticken einer uhr
die
zeit

Sven Wöhrmann

In der linken Spalte finden Sie Texte von Schülern, die zu den ausgewählten Autoren des Schreibwettbewerbs "Wie die Zeit vergeht…" gehören und deren Texte in der gleichnamigen Anthologie veröffentlicht wurden. 

Ups
von Daniel Bormann

Für die Zukunft entscheidend
von Tamara João

Plötzlich klopfte es an der Tür
von Erika Ntungwanimana

Staub im Wind
von Leander Piechaczek

die zeit
von Sven Wöhrmann